Der
neugegründete sächsische Landesverband des VDA hatte am 11. März 2000 zu seiner
ersten Veranstaltung in den Vortragssaal des Japanischen Palais in Dresden
eingeladen.
„1000 Jahre
ungarischer Staat – 1000 Jahre Zusammenleben von Ungarn und Deutschen“ lautete
das Thema zu Ehren des ungarischen Nationalfeiertages am 15. März.
Prominentester Ehrengast war der 1. Botschaftsrat der Ungarischen
Botschaft, Miklós Vágó.
Der Einladung
gefolgt waren auch Volker Schimpff von der sächsischen CDU-Landtagsfraktion
und Steffen Hornig, Landesvorsitzender
des Bundes der Technischen Beamten (BTB).
Zahlreiche Interessenten und Freunde des VDA waren anwesend.
Miklós Vágó dankte in seiner Grußbotschaft für das Interesse und die Sympathie, die die Anwesenden mit ihrem Kommen für sein Land zum Ausdruck gebracht haben. Ungarn betrachte dieses Jahr sogar als dreifaches Jubiläum: die 1000 jährige Staatlichkeit, 2000 Jahre Christentum und zehn Jahre neuer Rechtsstaat. In seinem Vortrag spannt er den geschichtlichen Bogen von der Landnahme nomadisch- heidnischer Stämme durch den Fürsten Árpád bis zur Wertegemeinschaft der europäischen Staaten, der sich Ungarn verpflichtet fühlt. Ungarn konnte unter Fürst Géza seine Macht und Unabhängigkeit durch die Bekehrung zum Christentum festigen. Auf seine Bitte hin entsandte Otto I. Missionare nach Ungarn. König Stephan I. (1000-1038) förderte den Staatsaufbau und die Gesetzgebung. Bereits zu dieser Zeit ließen sich Ansiedler aus vielen Ländern in Ungarn nieder. Im Laufe der Zeit entstand ein vielsprachiges und vielseitiges Ungarn. Mit dem deutschen Volk war Ungarn in guten und schlechten Zeiten immer eng verbunden. In der neueren Geschichte war dafür ein gutes Beispiel die Grenzöffnung für die damaligen DDR-Bürger im Jahr 1989.
Dr. Norbert
Spannenberger vom Geisteswissenschaftlichen Zentrum für Geschichte und Kultur
Ost-Mitteleuropas, Leipzig, selbst gebürtig im ungarischen Mohács, referierte
zum Veranstaltungsthema. Auch er umriss, wie kann es anders sein, die
geschichtliche Entwicklung Ungarns.
Ungarn begeht
dieses Jahr ein denkwürdiges Doppeljubiläum: Die Staatsgründung vor tausend
Jahren und die damit verbundenen Christianisierung. Unter Stephan dem Heiligen
entwickelte sich ein blühendes Staatswesen und
Ungarn wurde zu einem stabilisierenden Machtfaktor in Südosteuropa. Diese
Zeit kann als der Beginn einer intensiven, gegenseitig befruchtenden, wenn auch
nicht gänzlich spannungslosen Beziehung zwischen Deutschen und Ungarn
betrachtet werden.
Im 18.
Jahrhundert war die Zeit der großen Migrationsströme aus mehreren süddeutschen
Ländern. Die neuen Siedler, heute noch als die “Donauschwaben” bekannt,
brachten Technologie und Kapital in das Land. Hauptsächlich gründeten sie
jedoch bäuerliche Existenzen. Infolge des Nationalismus im 19. Jahrhundert und
in der Zwischenkriegszeit und danach durch die nationalsozialistische Volksgruppenpolitik
wurde der jahrhundertlangen traditionellen Symbiose ein Ende gesetzt. Als
Resultat unterlag die deutsche Minderheit zunehmend einem Assimilationsprozess,
einhergehend mit dem Verlust ihrer Muttersprache. Für das demokratische Ungarn
ist die staatliche Unabhängigkeit von 1990 auch in seiner Nationalitätenpolitik
mehr als nur ein symbolischer Neuanfang.
In der sich anschließenden Diskussion bekundete Ministerialrat Harald Piekert vom Sächsischen Staatsministerium des Inneren, dass solche Veranstaltungen des VDA künftig durch seine Behörde unterstützt werden. Von den Teilnehmern wurden Gedanken geäußert zur Intensivierung der Beziehungen in Richtung Osteuropa und Ungarn in Form von Städtepartnerschaften und Kontakten zu Schulen, Sportvereinen usw. Einen verpflichtenden Maßstab, den sich die sächsischen VDA-Mitglieder hier selbst gesetzt haben.