Prinz
Alexander von Sachsen

Vortrag anlässlich des
VDA-Forums 2002 im World Trade Center Dresden, 19. Oktober 2002
Als erstes möchte ich dem
VDA und Ihrem Dresdner Vorsitzenden Herrn Bien für die Einladung zur heutigen
Veranstaltung danken. Für mich ist es besonders interessant durch Ihre
Aufforderung zu dem Thema der deutschen Einwanderung nach Mexiko mir Gedanken
zu machen, bzw. über dieses Phänomen zu forschen und Ihnen die Auswertungen im
Rahmen der mexikanischen Geschichte vortragen zu können.
Mexiko wurde 1521 von
spanischen „Konquistadoren“ unter der blutigen Hand von Hernan Cortez erobert und dem spanischen Reich als Kolonie
eingegliedert. Im Gegensatz zu der Besiedelung der Vereinigten Staaten von
Nordamerika, die durch Ausrottung eines Teiles ihrer einheimischen
Nomadenbevölkerung betrieben wurde, haben die Spanier die bereits existierende
wirtschaftliche Basis und Infrastruktur der Azteken ausgenutzt und ihr feudales
System darauf aufgebaut.
Die spanische Krone
untersagte die Einreise ausländischer Gäste in ihre eroberten Kolonien – ganz besonders streng wurde das Gebot bei
Protestanten angewendet. Es gab jedoch einige
wichtige Ausnahmen bei Einwanderern aus dem deutschsprachigen Raum:
Augsburger
Waffenschmiede, die spanische Truppen bei deren Eroberungszügen betreuten
Mitglieder verschiedener katholischer Orden. Dabei möchte ich ganz besonders die Jesuiten erwähnen, die vorrangig die Wüstengebiete im Norden des Landes und
die Peninsula von Baja Kalifornien missionierten. Besondere Erwähnung gebührt
dem Jesuitenpater Francisco Eusebio Kühn – in Mexiko bekannt als Padre Kino -
einem Kartographen, Erzieher und Missionar, der die riesigen Gebiete des
Nordens Mexikos 24 Jahre lang zu Fuß erkundet, Missionsstationen aufgebaut,
Indianer getauft und unterrichtet hat. Des weiteren können wir Pater Hermann
Glandorff SJ erwähnen, der die Tarahumara Indianer in Chiapas missionierte und
dabei mehrere Lexika über deren indianische Sprachen verfasste.
Spezialisierte
Handwerksmeister: Namen wie Jakob Cromberger, der aus Sevilla kommend in der
Hauptstadt Mexiko das erste Buch auf dem amerikanischen Kontinent druckte, oder
Heinrich Martin einem berühmten Ingenieur, der die Kanalisation der Stadt
geplant und ausführen ließ (er latinisierte später seinen Namen auf Enrique
Martinez)
Im XVIII. Jahrhundert
wanderten Bergleute aus dem sächsischen Freiberg und aus dem Harz nach Mexiko
ein, um beim Aufbau und Betrieb der Mienen des Landes mitzuarbeiten. Zu diesen
gehörte Friedrich Sonnenschmidt, der mehrere Werke über Bergbau in den
spanischen Kolonien verfasst hat.
Mit Alexander von
Humboldts Reise nach Mexiko, der im beginnenden 19. Jahrhundert das Land
ausgiebig erkundet hat, eröffnet sich ein neues Kapitel in der
wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Erforschung des Landes. Er widmete sein
Interesse der Botanik, Mineralogie, Geographie, Geschichte und Wirtschaft
Mexikos. Er verfasste mehrere Werke über die politischen und wirtschaftlichen
Verhältnisse, unter besonderer Erwähnung des Reichtums an Bodenschätzen in der
„Nueva España”, dem Neuen Spanien.
Seine besondere Vorliebe galt der botanischen und zoologischen Vielfalt
der unendlichen Urwälder Mexikos, die er in spannender Weise beschrieb. Seine
Werke begeisterten sowohl die mexikanischen, wie auch europäischen und
amerikanischen Leser. Man kann sie als „Bestseller“ seiner Zeit werten. Dank
seiner verdienstvollen Arbeit haben sich Generationen von Geschäftsleuten,
Investoren und Wissenschaftlern nach Mexiko orientiert.
Im Jahre 1821 erlangte
Mexiko nach langen Jahren des blutigen Befreiungskampfes seine Unabhängigkeit
vom spanischen Mutterland und öffnete seine Häfen für den internationalen
Handel. Eine Gruppe Hamburger und
Elberfelder Kaufleute entschlossen sich zu einem bahnbrechenden Experiment: Sie
wollten den mexikanischen Markt für deutsche Produkte erschließen. Am 13.
Januar 1821 gründeten sie die „Rheinisch-Westindische Compagnie“, um
Sammelladungen deutscher Waren über den Hafen von Veracruz nach Mexiko zu
verfrachten. Aus Sicherheitsgründen beschlossen sie englische Schiffe für den
Transport zu verwenden, da die westindischen Gewässer von Piraten dominiert
waren. Nur die britische Flagge garantierte besonderen Schutz vor Angriffen, da
die Handelsschiffe in Konvois von Kriegsmarine begleitet wurden. Am 3. März
1823 segelte die „Rawlings“ nach vier Monaten aus Hamburg kommend im Hafen von
Veracruz ein. Mit großem Jubel wurden die vier deutschen Kaufleute von der
einheimischen Bevölkerung empfangen. Unter großen Strapazen wurde die Ware
kurze Zeit später auf 100 Eseln zur Hauptstadt transportiert. Dort konnten die
tüchtigen Kaufleute ihre Ware zu profitablen Bedingungen verkaufen.
Als Ergebnis dieses
erfolgreichen Experimentes begann eine neue Ära der Handelsbeziehungen zwischen
deutschen Landen und dem befreiten Mexiko. Angetrieben von dem Wunsch nach
schnellen Profiten entsandten hanseatische Handelshäuser junge Kaufleute nach Veracruz
und der Hauptstadt mit dem Auftrag deren Waren bestmöglich zu platzieren. In
vielen Fällen war Ziel dieser jungen Menschen in kurzer Zeit viel Geld zu
verdienen, um sich später verselbstständigen zu können und als wohlhabende
Geschäftsinhaber in die Heimat zurückkehren, um dort von den erwirtschafteten
Renditen komfortabel zu leben.
Innerhalb weniger Jahre
etablierten sich im Land 15 deutsche Handelshäuser, die europäische Produkte vermarkteten.
Unter den angebotenen Waren konnte man Textilien aus Sachsen, Metallwaren,
Musikinstrumente, Spielzeug, Porzellan, Möbel, Kristall und Arzneien finden.
Sie hatten keine leichte Aufgabe, da sie unter der erdrückenden
wirtschaftlichen Macht der englischen, französischen und amerikanischen Konkurrenz zu kämpfen hatten.
Als Beispiel dienen
Importzahlen von 1842: Groß Britannien dominierte den Markt mit 65% der
registrierten Importe aufgrund seiner übermächtigen Handelsflotte, dem Einsatz
großer Kapitalien und Fabrikation mit modernsten Techniken, Frankreich wies 13%
auf, Nordamerika 12% und Deutschland blieben 8%.
Getrieben durch die
zunehmende wirtschaftliche Aktivität und daraus resultierenden Gewinnen
begannen deutsche Handelshäuser in andere Wirtschaftszweige zu investieren, um
ihre Geschäftsfelder zu diversifizieren. Viel Geld floss in den Bergbau. 1824
wurde der deutsch-amerikanische Bergwerkverein gegründet mit Krediten der
Rheinisch-Westindischen Compagnie. Unbedachte Expansionspläne und übertriebene
Renditeansprüche der Aktionäre und Darlehensgeber trieben das Unternehmen
bereits 1837 in den Ruin.
Zu diesem Zeitpunkt
wanderten deutschsprachige Handwerker und Arbeiter ein, die kleine Betriebe
aufbauten, bzw. Läden einrichteten. Viele von ihnen konnten ihre Unternehmen
nach kurzer Zeit durch persönlichen Fleiß und Finanzhilfen deutscher Landsleute
wachsen lassen und in die Fabrikation größerer Stückzahlen übergehen. So
entstanden z. B. Sombrero-, bzw. Kerzenfabriken.
1848 wurde das „Deutsche
Haus“ oder Casino aleman in der Hauptstadt gegründet. Hier konnten sich die
Mitglieder von den Strapazen der Arbeit erholen, im Restaurant nach deutschen
Rezepten speisen, Zeitungen aus der Heimat lesen, Kegeln, Billard spielen. Eine
Vielzahl von Vereinen wurden ins Leben gerufen.
Hier war der
gesellschaftliche Mittelpunkt für die Familien der Wohlhabenden aus der
deutschen Gemeinde. Man organisierte sich in Chören oder engagierte sich in
Theatergruppen, Nachrichten wurden ausgetauscht, Kontakte geknüpft und man unterstützte sich gegenseitig. Diese
Institution existiert bis zum heutigen Tag an anderer Stelle als „Club aleman“.
Bemerkenswert mag
erscheinen, dass während der französischen Invasion und Proklamation Mexikos
zum Kaiserreich unter Maximilian von Habsburg österreichischen Soldaten und
Offizieren, die am gesellschaftlichen Leben des Clubs teilnehmen wollten, der
Zutritt verweigert wurde.
Präsident Porfirio Diaz
gelang es während seiner 30 Jahre dauernden Amtszeit von 1876 – 1910 das Land
nach den Befreiungskrieg gegen die Franzosen zu befrieden und durch gezielte
Kontrolle der verschiedenen Staatsorgane, der Arbeiterschaft und der
Bevölkerung, Mexiko die lang ersehnte politische und wirtschaftliche Stabilität
geben, die notwendig war, um internationale Investoren ins Land zu bringen. Er
versuchte Mexiko aus der immer größer werdenden Abhängigkeit zu den U.S.A. zu
lösen, in dem er als Alternative europäisches Kapital anwarb.
Als dringende Aufgabe
musste die Beilegung des schwelenden Grenzkonfliktes mit Guatemala um Chiapas
erreicht werden. 1882 wurde der endgültige Grenzverlauf zwischen beiden Ländern
gezogen, nachdem Guatemala auf das Gebiet des Soconusco verzichtete.
Ganze Bundesländer im
Süden Mexikos wurden daraufhin an Kolonisierungsgesellschaften verkauft, um sie
zu besiedeln und landwirtschaftlich zu erschließen. Grosses Engagement
leisteten deutsche Siedler, die bereits in Guatemala mit Kaffeeanbau ein
Vermögen verdient hatten. Sie erwarben
beachtliche Territorien zu sehr günstigen Preisen, um sie in
Kaffeeplantagen zu verwandeln. Ihr Erfolg gründete auf die solide finanzielle
Unterstützung, die sie von ihren deutschen Abnehmern in Hamburg erhielten, wie
auch auf den zu diesem Zeitpunkt besonders attraktiven Kaffeepreis auf dem
Weltmarkt. Außerdem kontrollierten sie den Röstungs- und Abfüllvorgang, so wie
den Transport zu den Pazifik-, bzw. Atlantikhäfen und die Vermarktung des
Produktes am Deutschen Markt.
Bis 1892 hatten sich 26
bedeutende Plantagen im Soconusco Gebiet in Chiapas etabliert. Ab 1908 wurde
Provinzhauptstadt Tapachula an das Eisenbahnnetz nach Veracruz und an den
Pazifik angebunden. Es brachte den großen Vorteil, dass die Transportkosten und
die Reisezeit halbiert wurden. Durch die solide Lage der Wirtschaft, den
rapiden Ausbau der Infrastruktur und die politische Ruhe in Mexiko während der
Regierungszeit Porfirio Diaz investierten amerikanische und im geringeren Masse
deutsche Firmen große Kapitalien in den Aufbau und Industrialisierung des
Landes. Siemens und AEG beteiligten sich am Aufbau von Elektrizitätswerken und
Ausbau des Stromnetzes. Finanzstarke Handelshäuser finanzierten den Ausbau des
Schienennetzes, den Bau von Brauereien, Textil- und Papierfabriken,
Lebensmittelverarbeitende Industrien und Stahlwerken (Beispiel: Peñoles durch
die Metallgesellschaft in Frankfurt)
Eine wachsende Zahl von
deutschen Immigranten beflügelt durch den wirtschaftlichen Erfolg und das
erreichte gesellschaftliche Prestige beschließen sich endgültig in Mexiko zu
etablieren. Um so größer war deren Sorge um die Erziehung ihrer heranwachsenden Kinder, die in der
kulturellen Tradition und Sprache der fernen Heimat erfolgen sollte. Mit
aktiver Unterstützung der Regierung des deutschen Kaiserreiches, die großzügig
finanzielle Mittel zur Verfügung stellte und Lehrpersonal entsandte, wird 1894
die erste deutsche Schule in Mexiko City gegründet, die bis heute unter dem
Namen „Colegio aleman Alexander von Humboldt“ weiter existiert und expandiert.
Alleine in der Hauptstadt gibt es heute bedingt durch die enormen Dimensionen
der Stadt drei verschiedene Schulkomplexe strategisch verteilt in verschiedenen
Himmelsrichtungen.
Um das
Zusammengehörigkeitsgefühl der Mitglieder der deutschen Kolonie zu fördern,
wurde eine lokale deutsche Zeitung herausgegeben, des weiteren gründete la
Colonia den „deutschen Hilfsverein“ für Hilfsbedürftige und den „deutschen
Frauenverein“.
Mit Ausbruch der
mexikanischen Revolution 1910 und des I. Weltkrieges in Europa wurden die
Mexiko-Deutschen vor eine große Zerreißprobe gestellt. Die herkömmlichen
Handelswege nach Europa wurden durch den Krieg unterbrochen, es konnten Waren
weder exportiert noch importiert werden. Finanztransfers wurden
unterbunden. Um zu überleben blieb den
deutschen Akteuren nur die Suche nach Absatzmärkten in den U.S.A.
Die gesamte
Handelslogistik musste umorganisiert und auf die neuen Begebenheiten angepasst
werden. Kaffee als eines der wichtigsten Exportgüter Mexikos wurde über den
Pazifik nach Amerika exportiert.
Während der Weimarer
Republik konnten die deutschen Industrien und Handelshäuser in Mexiko am
wirtschaftlichen Aufschwung der heimatlichen Märkte in Europa aktiv
mitverdienen. Nach der Weltwirtschaftskrise 1929 kehrten viele Deutsche, die
leitende Funktionen in Mexiko innehatten, in die Heimat zurück.
Zum ersten Mal in der
Einwanderungsgeschichte des Landes kamen bedingt durch die große Not in Europa
Flüchtlingsströme nach Mexiko in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Unter
diesen wanderte eine sehr große Gruppe von Mennoniten ein, die Europa verlassen
mussten, da sie aus Glaubensgründen den Dienst mit der Waffe verweigern und
deshalb von Europa über Russland nach Kanada und U.S.A. vertrieben wurden. Die
mexikanische Regierung garantierte ihnen Kultur- und Religionsfreiheit,
befreite sie vom Wehrdienst und siedelte sie in der Steppe von Chihuahua im
Norden Mexikos an. Innerhalb weniger Jahre verwandelten sie diese Gegend in
blühende Landschaften. Bis heute ist die Sprache der Menonitten das Platt und
sie unterrichten ihre Kinder in eigenen Schulen.
1942 erklärte Mexiko auf
Drängen der amerikanische Regierung Italien, Deutschland und Japan den Krieg.
Als direkte Folge des Kriegseintrittes wurden Bürger dieser Länder in
Internierungslager untergebracht und sämtlicher Besitz enteignet. Nach Beendigung des II.
Weltkrieges zeigte sich die Regierung sehr kulant und restituierte den ehemals
Internierten sämtlichen Besitz.
Höchstes Ziel der
Wirtschaftspolitik Mexikos in den Nachkriegsjahren wurde die Industrialisierung
des Landes, um genügend Arbeitsplätze für die stark wachsende Bevölkerung zu
schaffen. Importe sollten durch lokalhergestellte Produkte ersetzt werden. Für
die Industriellen dese Landes bedeutete diese Politik ein besonderen Ansporn,
denn sobald ein Produkt im Lande hergestellt werden konnte, wurden die Grenze
für Importe ähnlicher Waren dicht gemacht.
In diesen Jahren
invertierten deutsche Konzerne massiv in Mexiko. Herausragende Beispiele sind
z. B. unter anderem das Volkswagenwerk in Puebla, BAYER, BASF, Hoechst,
Degussa, Schering in der Hauptstadt, die Produktionsstätten aufbauten, um den
lokalen Markt zu beliefern und später nach Lateinamerika zu exportieren.
Eine große Anzahl von
Deutsch-Mexikaner vollzogen den Sprung von Werkstätten zu mittelgroßen
Produktionsanlagen und belieferten die etablierten Konzerne.
Mexiko sah sich Mitte
der 80ger Jahre gezwungen die wirtschaftliche Isolationspolitik in einer sich
rapide Globalisierenden Welt aufzugeben
und eine ratsame Öffnung seiner Märkte zu tolerieren. Als erster Schritt trat das
Land dem GATT bei, später der OECD.
1994 wurde ein
Freihandelsabkommen -bekannt als NAFTA- zwischen den drei Nordamerikanischen
Staaten Kanada, U.S.A. und Mexiko unterzeichnet, welches die graduelle Senkung
der Zollsätze bis zum Jahr 2000 vorsah, wo sämtliche Produkte aus der Region
zollfrei die Grenzen überqueren können.
Dieser Vertrag stellte
die Industrie der restlichen Welt und ganz besonders die europäische vor große
Probleme in der Preisgestaltung ihrer Produkte, den bei Höchstzollsätzen von
bis zu 35% für deren Fabrikate waren die amerikanischen, bzw. kanadischen
Hersteller klar im Vorteil.
Nach langen und
komplizierten Verhandlungen zwischen der Europäischen Gemeinschaft und der
Regierung Mexikos konnte das Europäisch-Mexikanische Freihandelsabkommen –
bekannt in Mexiko als TLCUE – Mitte des
Jahres 2001 in Kraft treten. Ähnlich wie beim NAFTA werden die Zollsätze für
sämtliche Erzeugnisse der unterzeichnenden Staaten in fünf Jahresschritten bis
auf Null heruntergenommen werden.
Dieses Abkommen wird der
europäischen und im besonderen Masse der deutschen Industrie die
Konkurrenzfähigkeit am lokalen Markt zurückgeben.
Die von mexikanischer
Seite erstrebte Erneuerung auf wirtschaftlicher wie auf politischer Ebene hat
vertrauensbildend gewirkt und zu einer starken Zunahme deutscher Investitionen
im Land geführt. Parallel dazu wandern auch vermehrt deutsche Fachkräfte,
Techniker, Führungspersonal mit ihren Familien in Mexiko ein.
In diesen Tagen haben
sich Vertreter der österreichischen, schweizer und deutschen Gemeinde
getroffen, um die Gründung einer gemeinsamen deutschsprachigen Vereinigung ins
Leben zu rufen. Diese wird D-A-CH heißen. Jeder Buchstabe steht für eines der
teilnehmenden Länder. Es werden unter dieser D-A-CH Gesellschaft sämtliche Aktivitäten
der bereits in Mexiko agierenden Institutionen dieser Länder koordiniert werden
und ein gemeinsames Auftreten nach Außen erstrebt. So sollen unter anderem die
Hilfsaktivitäten bei Naturkatastrophen zusammen geleistet werden. Es gibt
endlich einen etablierten und seriösen Empfänger für Spenden aus dem In- und
Ausland. Existierende Schulen sollen zusammenarbeiten und Neugründungen auf die
Bedürfnisse der drei Volksgruppen abgestimmt werden.
Brasilien
Wir wollen an dieser
Stelle eine kurze Zäsur einlegen, um die Auswanderungsströme aus Deutschland
nach Brasilien zu analysieren.
Im Gegensatz zur
Einwanderung nach Mexiko warb die brasilianische Regierung unter Kaiser Pedro
I. Einwanderer aus Deutschland aktiv mit einem offiziellen Programm, welches
den Einwanderern kostenlos Land zur Verfügung stellte, ihnen bürgerliche Rechte
und freie Glaubensausübung gewährte. Aus diesem Grund ist es zu erklären, dass
die ersten deutschen Auswanderungs-Ströme nach Brasilien gingen und dort die
ersten deutschen Siedlungen Lateinamerikas gründeten. Brasilien verfolgte mit
dieser Ansiedlungspolitik das Ziel der Erschließung brachliegender Gebiete mit
neuen Anbaumethoden. Neben den existierenden Großgrundbesitzern sollte sich
eine auf freie Mitarbeit gegründete intensive Landwirtschaft aufbauen.
Die Opfer, die die
Einwanderer in Brasilien zu erbringen hatten waren beträchtlich.
Auswanderungsagenturen, Schifffahrtsgesellschaften, Einwanderungsbehörden
wollten alle kräftig an den Auswanderern mitverdienen. Einmal Vorort konnte
sich die brasilianische Regierung oft nicht an die abgegebenen Versprechen
erinnern.
Da es für die
Regierungen der deutschen Staaten nicht möglich war die Einwanderer am Zielland
vor lauernden Gefahren zu schützen, entschloss sich Preußen 1859 mit dem „von
der Heydtschen Reskript“ per Dekret die Anwerbung von deutschen Bürgern auf
Landesgebiet zu verbieten. Nach der Reichsgründung 1871 wurde diese Maßnahme
auf das ganze Reichsgebiet erweitert.
Verschiedene Faktoren
bewirkten, dass Brasilien trotz unendlicher Ressourcen nicht zu einem
Massenein-Wanderungsland für Deutsche wurde:
Die
schwierige Topographie und das subtropische Klima des Landes,
Berichte
fehlgeleiteter Einwanderer,
Berichte
über beschränkten wirtschaftlichen Erfolg bei harten Arbeitseinsatz der
Siedler,
Übervorteilung dieser
durch Kolonisations-Gesellschaften und zu guter Letzt die überlegene
Anziehungskraft der Vereinigten Staaten.
Zum Abschluss kann man
im Vergleich der Einwanderungsbewegung in die analysierten Länder zwei verschieden Phänomene erkennen:
Im Falle Mexikos
handelte es sich vorwiegend um vom Heimatland initiierte Elitewanderungen.
1820 waren 30% der
Deutschen: Händler und Großkaufleute, die meist als junge Einzelpersonen aus
den protestantischen Hansestädten stammend mit elterliche Hilfe oder
Firmenunterstützung die Reise antraten, nach kurzer Zeit es zu Reichtum
brachten und entweder in die Heimat zurückkehrten oder Damen bedeutender
Familien in Mexiko heirateten und sich etablierten.
Bei den Ländern des
„Cono Sur“ Argentinien, Brasilien, Chile und Uruguay, die hauptsächlich
von Gruppen deutscher Auswanderer erschlossen wurden, die sich meistens mit
Ehefrau und Kindern in unbewohnten Naturgebieten ansiedelten, um sich dort
landwirtschaftlich zu betätigen und eine neue Existenz aufzubauen, kann man von Siedlungsbewegungen
sprechen.
Ich möchte diese etwas
langen Ausführungen schließen mit einem Beispiel einer mir als Kind bekannten
Persönlichkeit: Herrn Franz Meyer
Er wurde 1905 in Mannheim
geboren und wanderte als junger Mann nach Mexiko ein, betätigte sich als
Bankier und Börsenmakler heiratete ein Mädchen aus einer sehr guten
mexikanischen Familie, die leider bei der Geburt ihres ersten Kindes verstarb.
Er widmete sein Leben der kolonialen Kultur seines Gastlandes. Er bereiste
grossteil des Landes und erwarb Gemälde, Mobiliar, Sakramentalyen, Teppiche
u.v.a. Bei seinem Ableben stiftete er
seine Sammlung dem mexikanischen Volk als Dank für alles was er in seinem Leben
erreicht hatte unter der Bedingung, dass die mexikanische Regierung ein
würdiges Museum zur Verfügung stellt. Wenn Sie mal nach Mexiko reisen sollten,
werden Sie in einer bedeutenden ehemaligen Klosteranlage eines der schönsten
Museen vorfinden, welches den Namen Museo Franz Meyer trägt. Es ist ein Symbol
für die Verschmelzung zweier Kulturen und Völker, die zusammen unglaubliches
erreichen können.
Vielen
Dank!